11. Dez. 2011
Gleich vorneweg, nochmals ein ganz herzliches Dankeschön an unsere Reiseleiterin Christine Meury. Es war ein herrlicher, abwechslungsreicher und unvergesslicher Theaterausflug, gespickt mit interessanten, sportlichen und kulinarischen Höhepunkten.
Morgens 08.45: “Biim Toni“ versammeln sich bereits schon einige meiner Theater-kolleginnen und -kollegen, Helferinnen und Helfer hinter der Kulisse, um den Saner-Car. Wir beginnen, die eine oder andere Wange zu küssen und Hände zu schütteln. Besonders ins Auge stechen mir Kirstin und Markus, top ausgerüstet, als ginge es zur Besteigung der Eigernordwand. Andere sehe ich leicht bekleidet mit leichtem Schuhwerk, als ginge es zum Baden an die Costa Brava.
Pünktlich 09.00: Wir fahren los, via Laufen, Delsberg, über die Jurahöhen und Dörfer Saignelégier, La Chaux-de-Fonds, dann via Neuenburg ins Val de Travers. Diese genuss-volle 2-stündige Fahrt, links und rechts die Juralandschaften mit ihren Weiden und Pferden etc., hat uns so fasziniert, dass wir sogar bewusst vergessen haben, einen “Caféhalt mit frischen Gipfeli“ zu machen. Da hat auch das Magenknurren von Ruth Höfler den Car nicht anhalten können.
Gegen Mittag 11.00: Wir fahren über den Bahnhofplatz von Noirague. Ab hier beweist der Carchauffeur nun endgültig, dass er der Richtige ist. Mittels waghalsigem Manöver fahren wir zum Bergrestaurant Ferme Robert auf rund 950 Meter hoch. Hier am am Fusse des Creux du Van – unserer Schweizer Ausgabe Gran Canyon – geniessen wird den imposanten Anblick diese Naturwunders. Die Tische sind schon gedeckt und der Wein und das Bier fangen an zu fliessen. Spannend blicken wir zur Küche, erwarten wir doch eine regionale Essens-Spezialität. Das Warten hat sich gelohnt, was jetzt aufgetischt wird, ist ein kulinarischer Höhepunkt. Schön angerichtete Teller mit einheimischen Wurstwaren, Speck, Salat, Käse und knusprigem Brot. Wir geniessen das Essen und Trinken in vollen Zügen und die Mutigen stärken sich so für den bevorstehenden 2-stündigen Gipfelaufstieg zum Creux du Van.
Mittag 12.45: Wir teilen uns auf. Die rüstigen Berggänger verabschieden sich und gehen zielstrebig der Felswand zum Aufstieg entgegen. Wir, die etwas von Ischias und Sonstigem geplagten, begleiten mutig den Carchauffeur wieder auf der waghalsigen Car-Bergabfahrt. Es wäre unverantwortlich gewesen, ihn dabei allein zu lassen. Auf der gut ausgebauten Bergstrasse fahren wir von der anderen Seite her zum Gipfelrestaurant Le Soliant auf dem Creux de van, wo wir gegen 15.00h die durstigen Mutigen erblicken. Nach einem gemeinsamen kräftigen Schluck besteigen wir wieder alle den Car und fahren talwärts.

Mittags 16.00: Was wäre das Val de Travers ohne seinen Absinth “die grüne Fee“. Damit auch wir in die Geheimnisse vom Absinth einen Einblick kriegen, steht nun eine Besichtigung in einer Absinthbrennerei auf dem Programm. Bei der Degustation am Schluss können wir die Geschichte des Brennens von Absinth auf der Zunge vergehen lassen und sorgfältig hinunterschlucken.
Etwas zur Geschichte: Anfangs des 20. Jahrhunderts wurden die Pflanzung und die Destillation von Absinth zu der hauptsächlichsten Erwerbsquelle im Val de Travers. Der Erfolg dieses Getränkes störte. Die Weinbauern und die Produzenten anderer Getränke, unterstützt von anti-alkoholischen Bewegungen, attackierten den Absinth. Am 5 Juli 1908 haben alle Kantone, mit Ausnahme von Neuchâtel und Genf, die Volksinitiative für das Verbot und den Verkauf von Absinth in der ganzen Schweiz angenommen. Aber im Val de Travers wurde die Herstellung von Absinth nicht eingestellt; sie verzog sich in die Illegalität.
Am 1 März 2005 wurde durch die Regierung das Verbot wieder aufgehoben. Nach mehr als 100 Jahren in der Illegalität darf der Absinth nun wieder hergestellt werden.
Abends 18.00: Unser Car hält bei der Asphalt-Mine im Val de Travers, lange Zeit die einzige Mine dieser Art weltweit. Ausgerüstet mit Helmen, werden wir mit viel Charme und Witz durch das Museum und die Mine geführt.
Es handelt sich um ein gigantisches Labyrinth von Stollen und Gängen mit einer Länge von über 100 Kilometern. In teilweise völliger Dunkelheit wird uns Lehrreiches zum Abbau des früher vor allem im Strassenbau eingesetzten Stoffes vermittelt, der mittlerweile jedoch aus Erdöl hergestellt werden kann. Aus diesem Grund wird seit den Achtziger Jahren kein Asphalt mehr gefördert.
Der griechische Arzt Eirini d’Eyrinys setzte sich als erster moderner Wissenschaftler mit dem Thema Asphalt auseinander und entdeckte 1711 die Vorkommen des natürlichen Asphalts (auch Erdpech oder Bergteer genannt) im Val de Travers. Eigentlich interessierte er sich nur für die medizinische Anwendung dieses Materials, das aus Erdöl durch Sauerstoffaufnahme entsteht. Asphalt wurde bereits vor rund 5000 Jahren von Babyloniern und Sumerern zur Abdichtung von Bauwerken verwendet. Die Ägypter benutzten ihn zur Mumifizierung. Heute können die stillgelegten Minen von Travers mit ihrem Stollenlabyrinth besichtigt werden.
Von 1712 bis 1986, also während rund drei Jahrhunderten, haben die Mineure und andere Angestellte der Minen im Val de Travers Industriegeschichte geschrieben, indem sie unzählige Tonnen dieses Mineralstoffes in mühseliger Arbeit zu Tage gefördert haben. Wieder am Tageslicht zurück, können wir das harte Leben der Bergarbeiter, 10 Stunden im Berg, erahnen.
Nun sind wir aber wieder hungrig und durstig. Es geht auf zum speziellen Essen der Bergleute. Beinschinken, im heissen Asphalt geschmort, zusammen mit Kartoffelgratin und Gemüse. Pfui, nein im Gegenteil! Überwiegend assen die Bergleute mittags unter Tag, packten ihr Essen mehrfach in spezielles Papier ein, legten es in Kessel mit aufgeheiztem Asphalt und garten es darin. Daraus entstand die Tradition des sogenannten Asphaltschinkens.
Nach dem feinen Dessert Asphalt-Rahmeis müssen wir leider wieder die Heimfahrt Richtung Blauen antreten. Für die kurzweilige Heimreiseunterhaltung sorgen die musikalischen Vorträge unseres Damenchors. Vor allem die Stimme von Therese zeugt von hohem Niveau. Keine Chance einzuschlafen.
In Blauen wieder angelangt, haben wir es alle toll gefunden. Ein gelungerer Ausflug begleitet von wunderbarem Wetter. Wir freuen uns schon wieder auf den nächsten Ausflug.